.
Presse
Dokumentiert

Der Hamburger "Maulkorb-Erlass"

Medienanfragen nur noch über die Pressestelle, angeblich zum Schutz vor "unseriösem Journalismus": Hamburgs Uni-Präsidentin will Pressekontakte der Professoren reglementieren. SPIEGEL ONLINE dokumentiert das Rundschreiben von Monika Auweter-Kurtz an die sechs Dekane.

An die
Dekane
der Fakultäten der Universität Hamburg

29. März 2007

Beantwortung von Medienanfragen und Informationen an die Medien

Sehr geehrte Herren Dekane,
liebe Kollegen,

in der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass Mitglieder der Fakultäten Erklärungen an die Medien verschickt oder Stellungsnahmen zu Medienanfragen abgegeben haben, ohne sich mit der Pressestelle abzustimmen. Sie werden verstehen, dass dies im Interesse einer einheitlichen und professionellen Darstellung der Universität nach außen leider kontraproduktiv ist.

Ich möchte Sie deshalb daran erinnern, dass die Außenvertretung der Universität generell der Präsidentin vorbehalten ist. Ich habe diese Aufgabe zum Teil an die zuständige Abteilung für Kommunikation und Öffentlichkeit übertragen. Deren Aufgabe ist es z.B., die Medienanfragen einzuschätzen und entsprechend zu bearbeiten. Sofern die Medien lediglich eine Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler als Expertin bzw. Experten für ein bestimmtes Thema suchen, wird die Pressestelle hier anhand der öffentlich zugänglichen Kontaktdaten eine Expertin oder einen Experten vermitteln. In erster Linie hat die Pressestelle aber die Verantwortung und Expertise, um bei Anfragen, die aktuell auch politisch diskutierte Fragen betreffen, (z.B. STINE, Studiengebühren, Exzellenz, Zulassungsbeschränkungen u.ä.) darauf zu achten, dass die Universität einheitlich nach außen auftritt. Medienanfragen werden deshalb in der Regel von der Pressestelle beantwortet.

Bei Medienanfragen an Universitätsmitglieder soll die Pressestelle diese beraten – nicht zuletzt, um sie vor unseriösem Journalismus oder tendenziösen Anfragen so weit wie möglich zu schützen. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass die Pressestelle den Hintergrund der Anfrage vorklärt und auch auf ein presserechtlich korrektes Vorgehen achtet – also z.B. dass Zitate autorisiert werden können und Inhalte korrekt wiedergegeben werden.

Ich bitte Sie deshalb darum, allen Mitgliedern Ihrer Fakultät deutlich zu machen, dass sie künftig bei dem Wunsch nach Medienaktivitäten oder bei Anfragen der lokalen, regionalen oder überregionalen Tages-Medien und Magazine bzw. von Hörfunk- und Fernsehsendern Kontakt mit der Abteilung Kommunikation und Öffentlichkeit aufnehmen und das Vorgehen mit der Pressestelle abstimmen.

In der Praxis wird es natürlich vorkommen, dass Sie oder Mitglieder Ihrer Fakultät direkt von den Medien kontaktiert werden, weil Ihre Forschungs-Expertise für einen Beitrag gewünscht ist. In diesem Fall geben Sie bitte nachträglich zur Information eine Rückmeldung über den Kontakt an die Pressestelle.

Wenn Sie um eine Stellungnahme zu einem Thema gebeten werden, das die Universität oder die Hochschulpolitik betrifft, dann verweisen Sie bitte stets an die Pressestelle. Nur so können wir vermeiden, dass Mitglieder der Universität sich in einem Kontext wiedergegeben finden, den sie nicht beabsichtigt haben und der ihrem Ansehen, oder ggf. auch dem Ansehen der Universität abträglich ist.

Sie erreichen die Pressestelle unter App. 2968, E-Mail: presse@uni-hamburg.de. Weitere Informationen zu Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern finden Sie unter http://www.verwaltung.uni-hamburg.de/pr/2/21/personal.html

Mit freundlichem Gruß

Prof. Dr.-Ing. habil. Auweter-Kurtz

- Präsidentin –

Spiegel-online, 10.05.2007

http://www.fsrk.de/artikel_142.html [Stand 10. Mai 2009]