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Presse
Kommentar

Bombe entschärft

Von Per Hinrichs

Monika Auweter-Kurtz galt nie als Kommunikationsgenie. Stets sagt die Uni-Präsidentin ihre Meinung geradeheraus und nimmt wenig Rücksicht auf Befindlichkeiten anderer. Das war bisweilen erfrischend, aber letztlich erfolglos. Eine hochkomplexe Organisation wie die Universität lässt sich nun mal nicht gegen den Willen der Professoren umkrempeln. Mit ihrem gestrigen Bußgang zeigt die Schwäbin, dass sie das - wenn auch sehr spät - nun verstanden hat. Die neue Bescheidenheit hat ihr Zeit und Luft verschafft; die Bombe ist entschärft. Auf Dauer hätte sie ihren Crash-Kurs nicht durchhalten können. Vieles blieb bei ihren Erklärungen auch im Unklaren. Was soll sich etwa hinter dem Schlagwort einer Elite-Uni verbergen? Exzellenz in der Wissenschaft oder in der Lehre? Muss die Universität möglichst viele Absolventen hervorbringen oder soll sie lieber Forschungspreise abräumen?

Auweter-Kurtz signalisiert nun Diskussionsbereitschaft über solche Fragen. Jetzt sind Politik und Professoren am Zug. Denn die umstrittene Präsidentin agiert schließlich mit der Rückendeckung ihrer Behörde. Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach muss deutlich machen, wie sie sich die Uni von morgen vorstellt. Und die Lehrenden sind gefordert, konstruktive Vorschläge zur Perspektive ihrer Hochschule vorzulegen. Bislang hat sich der akademische Adel lediglich mit Erklärungen hervorgetan, die den Kurs der Präsidentin abwechselnd stützen oder kritisieren. Auf inhaltliche Konzepte aus dieser Richtung darf man gespannt sein.

"Raketen-Moni" wird die Ingenieurin Auweter-Kurtz spöttisch genannt. Wenn sie die Hochschule wirklich zusammen mit den Professoren voranbringen will, kostet das Zeit. Die sollte sich die Turbo-Reformerin nehmen. Sonst verglüht der Traum einer schönen neuen Universität

http://www.fsrk.de/artikel_137.html [Stand 13. Juni 2009]