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Presse

Monika Auweter-Kurtz Hamburger Uni-Präsidentin im scharfen Gegenwind

Als Monika Auweter-Kurtz im Juli 2006 zur Präsidentin der Hamburger Universität gewählt wurde, begrüßte sie die Presse freudig als "Raketen-Professorin". Mit entsprechender Schubkraft trieb sie bald die Strukturreformen voran. Doch jetzt hat die Uni-Chefin etliche Professoren derart gegen sich aufgebracht, dass diese ihre Abwahl fordern - und eine Zeitung das Wortspiel toppte: "Raketen-Moni unter Beschuss". Die Raumfahrt-Terminologie liegt nahe bei der 58-jährigen Physikerin, die 1992 in ihrer Geburtsstadt Stuttgart Professorin für Raumtransport-Technologie wurde. Sie ist in Deutschland die einzige Frau, die es in der Luft- und Raumfahrtlehre so weit gebracht hat. Auch daher hat sie sich Ende der neunziger Jahre als Sprecherin der Frauenbeauftragten baden-württembergischer Unis für ihre Kolleginnen starkgemacht.

In Hamburg indes tut sich die spröde Wissenschaftlerin schwer. Die Neue war und ist manchen suspekt, etwa wegen ihrer angeblichen Nähe zur Rüstungsindustrie. Andere mäkelten, eine Ingenieurin gehöre nicht an die Spitze einer Uni, die nicht einmal einen Ingenieursstudiengang anbietet. Ein Rundbrief, in dem Auweter-Kurtz ihren "lieben Kollegen" riet, sich nur noch mit Hilfe der Presseabteilung über Hochschulpolitik zu äußern, machte als "Maulkorb-Erlass" Karriere. Gewählt wurde Monika Auweter-Kurtz vom teils extern besetzten Hochschulrat, nicht ohne Gegenstimmen allerdings. Die Hamburger Uni ist zwar die fünftgrößte Deutschlands, im Qualitätsranking aber liegt sie weit zurück. Die neue Präsidentin soll Hamburg bis 2016 zur Spitzen-Uni machen. Dazu gehört die von ihr favorisierte, aber immens teure Umsiedlung in die Hafen-City. Auweter-Kurtz will mehr Spitzenforschung und misst das Budget von Fakultäten an der Zahl ihrer Prädikats-Studenten. Dass die Mitbestimmung der Uni-Gremien geschwächt wurde, hat allerdings nicht sie zu verantworten, sondern das 2006 modernisierte Hamburger Hochschulgesetz. Auweter-Kurtz" Fürsprecher halten ihr zugute, sie müsse nun den Kampf zwischen alter kollegialer Selbstverwaltung und einer vorstandsähnlichen Uni-Leitung ausbaden.

Eine Unterschriftenaktion, in der sich angeblich 120 Professoren gegen sie stellen, und ein der Presse zugespielter Brief der fünf Fakultäts-Dekane spitzen die heikle Personaldebatte nun zu. In dem Brief heißt es, Auweter-Kurtz pflege einen so autoritären Stil, dass Gespräche mit ihr aussichtslos seien. Antworten wie "Ich will es aber so" seien keine Basis für demokratische Zusammenarbeit. Zwar rudern die Dekane ein wenig zurück und klagen, sie würden falsch zitiert; von Rücktrittsforderungen könne keine Rede sein, da es inhaltlich wenig Differenzen gebe. Doch am Freitag räumte die kantige Schwäbin ein, dass ihr Ton wohl missverstanden werde. Während einer eilends einberufenen Pressegesprächs hämmerten wütende Studenten gegen die verschlossenen Türen, die Polizei kam. Auweter-Kurtz hat nun ihren Urlaub abgesagt, um, wie sie betont, sich jedem zu stellen, der mit ihr sprechen will. Die Anfragen koordiniert aber sicherheitshalber ein externer PR-Berater. Christiane Langrock-Kögel

Süddeutsche Zeitung, 13.06.2009

http://www.fsrk.de/artikel_128.html [Stand 13. Juni 2009]